Roulette in Film und Literatur – Glamour und Leidenschaft

Roulette ist nicht nur eines unser liebsten Freizeitbeschäftigungen, sondern durchaus auch ein literarisches Thema, keine Frage. Die enge Verknüpfung zu wichtigen Lebensthemen liefert hierbei den Grund, warum einige Schriftsteller ihre Protagonisten ins Casino schicken, um dort ihr Glück zu versuchen. Hier finden sich viele Komponenten eines guten dramaturgischen Stoffs wieder, von der Sehnsucht nach einem besseren Leben über das selbst gewählte Risiko bis hin zu fantastischen Glückserlebnissen und tragischen Verlusten. Auch die großen Filmemacher haben die Casinowelt schon vor Jahrzehnten für sich entdeckt und tummeln sich mit ihren Helden gern mal am Roulettetisch.

Dostojewski und das Glück

Dass Fjodor Dostojewski, der äußerst populäre russische Schriftsteller, selbst gern die Kugel rollen ließ, ist unumstritten. Im altehrwürdigen Casino von Bad Homburg, aber auch in Bade Baden und Wiesbaden, ging er zwischen 1863 und 1867 regelmäßig am Roulettetisch seiner Leidenschaft nach. Diese drei Städte inspirierten ihn letztlich auch dazu, eine Stadt namens »Roulettenburg« zu erfinden, die in seinem weltbekannten Roman »Der Spieler« auftaucht. Der Hauptcharakter des Buchs, Alexej, gibt in dieser Geschichte zu: »Kaum fange ich an zu gewinnen, gehe ich gleich ein Risiko ein – ich kann mich nicht beherrschen!«. Damit hat er wahrscheinlich viel mit seinem Schöpfer gemeinsam, denn auch er kehrte dem Roulette lange Jahre nicht den Rücken. Hier entstand also eine authentische, teil-biographische Geschichte, die zur Recht noch heute große Beachtung findet. Nach ihr wurde außerdem eine gleichnamige Oper komponiert und auch einigen Verfilmungen liegt die Handlung des Buches zugrunde.

George Eliot: Romantik am Roulettetisch

Der letzte Roman der englischen Autorin George Eliot erzählte nicht nur von Liebe und Leidenschaft, sondern auch vom Glücksspiel. »Daniel Deronda« wurde im Jahr 1876 veröffentlicht, zu diesem Zeitpunkt war die Schriftstellerin längst eine bekannte Größe der damaligen literarischen Welt. Ihr ursprünglicher Name lautet Mary Anne Evans, sie wurde aber unter dem männlichen klingenden Pseudonym berühmt. Auch ihrem Werk wohnt eine gewisse Tragik inne, denn der junge Hauptcharakter verliebt sich in eine Dame, die ihr gesamtes Vermögen beim Roulette verloren hat, aber ihrer verarmten Familie aus der Klemme helfen möchte. Darum versetzt Gwendolen Harleth ihre Halskette, die Daniel heimlich auslöst und ihr wieder zukommen lässt. Das Buch wurde mehrmals verfilmt, zunächst 1921 in der stummen Version, in den 70er Jahren als Serie und 2002 abermals in mehreren Folgen. Wieder ein Stoff, der weit mehr als ein Jahrhundert überdauert hat.

Hollywood und das Glücksspiel: große Kinoerfolge

Das Roulettespiel blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, die spannenden Stoff für zahlreiche Kinoerfolge bot. Die Glitzerwelt der Spielbanken und ihre düsteren Hinterzimmer inspirierten seit Stummfilmzeiten die Fantasie der Drehbuchautoren und Regisseure: James Bond ist dabei beileibe nicht der einzige Leinwandheld, der sich zwischendurch gern im Casino tummelt, wie er uns vor allem in Casino Royale zeigt. Allerdings gehört er unzweifelhaft zu denjenigen Charakteren, die besonders gut in das Spielbankambiente passen, denn Stil und Charme werden seit jeher mit Roulette- und Pokerspielern verbunden.

Auch im 40er-Jahre-Klassiker Casablanca finden sich die Helden am Roulettetisch wieder, wo Humphrey Bogart als »Rick« einen manipulierten Kessel besitzt. Doch immerhin beweist er ein weiches Herz, als er einem jungen Mann in Nöten zu einem beachtlichen Gewinn verhilft.

Zwei unvergessene Schauspieler, Robert Redfort und Paul Newman, reichten sich im Jahr 1973 die Hand, um als Glücksspieler-Duo im Film Der Clou aufzutreten. Mit zugegeben nicht ganz legalen Mitteln versuchen Sie, an das Geld von bösen Gangstern zu gelangen. Auch ein Rouletterad spielt hier eine zentrale Rolle, wieder einmal geht es am Kessel nicht ganz mit rechten Dingen zu.

Auch neuere Kinohits spielen sich im glamourösen Umfeld der Spielbanken ab, wie zum Beispiel Der Croupier aus dem Jahr 1998. Hier hat, wie der Name schon sagt, ein Croupier die Hauptrolle inne, der in einem Londoner Casino seinem nicht immer ganz ungefährlichen Handwerk nachgeht: Verführungen und dunkle Geheimnisse lauern hier an allen Ecken.

Das Krimi-Drama Casino von Martin Scorsese aus 1987 gehört ebenfalls zu den bekanntesten Filmen, die im Casino-Milieu angesiedelt sind. Diesmal spielt die Geschichte in der unumstrittenen Hauptstadt des Glücksspiels: Las Vegas. Den Hauptcharakter mimt Robert De Niro als Profizocker Sam »Ace« Rothstein, der sich vom einfachen Spieler zum Millionär hochgezockt hat und nun einem Casino-Imperium vorsteht. In diesem Film ist das Rouletterad jedoch nur eine Komponente von vielen.

Roulette in Sachbüchern: Wer kann das Glück errechnen?

Seit der französische Wissenschaftler Blaise Pascal das erste Rouletterad für seine Forschungen im Bereich Wahrscheinlichkeitsrechnung nutzte, kommen immer wieder neue Theorien auf, wie sich das Glück errechnen lässt. Zeugnis davon gibt eine Vielzahl von Roulette-Sachbüchern, die nicht nur die Regeln erklären und den geschichtlichen Hintergrund des drehenden Kessels beleuchten, sondern auch mehr oder weniger erfolgsversprechende Gewinnstrategien vorstellen. Einfach ein Buch lesen – und anschließend zum Millionär werden? Eine schöne Vorstellung, die manchen Leser sicher zum Kauf verführen wird. Ob es aber wirklich hilft?